Nach erneuter Visite bei der Zahnärztin und zwei Stunden im Büro ging es heute mal ganz viel raus:
Erst mal zu einer Grundsteinlegung für den Um- und Erweiterungsbau der evangelischen Kindertagesstätte Melanchthon auf dem St. Arnualer Wackenberg.
So schön es ja ist, dass sich endlich was tut zugunsten frühkindlicher Bildung, bin ich ja doch angesichts der Eiseskälte von – 16 °C froh, dass der formale Akt der Grundsteinlegung nur eine halbe Stunde dauert und wir dann ins Gemeindezentrum der Stiftskirche St. Arnual wechseln.
Für 24 Prozent aller Kinder unter drei Jahren gibt es nun im Saarland einen ganztägigen Betreuungsplatz. Da muss noch einiges geschehen, um nach 2013 die angestrebte 35%-Quote zu erfüllen, die zur Umsetzung des Rechtsanspruches auf einen Krippenplatz mal berechnet wurden. Wobei auch noch fraglich ist, ob die 35 Prozent wirklich noch Stand der Dinge sein können und ausreichen werden.
Nervig an der Veranstaltung ist für mich vor allem, wie sich die verschiedenen Ebenen – Land, Regionalverband, Stadt – jeweils selbst auf die Schulter klopfen, sie trügen ja mit “ihrem” Geld am wesentlichsten zum Gelingen des Baues bei. Dabei ist es jeweils das Geld der Bürgerinnen und Bürger, egal auf welcher Ebene es verwaltet wird.
Naja, ich muss eh weiter, oder besser darf: Zur Verabschiedung eines langjährigen Mitarbeiters beim DGB Saar, der dort für die Weiterbildung viele Verdienste hat. Außerdem ein treuer Genosse, der sogleich sagt: “Jetzt habe ich viel Zeit mitzuhelfen, dass wir am 25. März die Landtagswahl gewinnen.” Schön, Klaus Hippchen. Ich freue mich auf den gemeinsamen Wahlkampf!
Und dann nix wie zurück ins Büro, um endlich mit “meiner” wissenschaftlichen Referentin mal die Planung für die nächsten Wochen zu erstellen. Ganz schön eng der Terminkalender. Und noch so viele Anfragen und eigene Ideen für inhaltliche Veranstaltungen.
Präsidium der Partei und SPD-Landesvorstand schaffe ich heute nicht.
Zunächst in die Arbeitskammer zu einer etwas bizarren Veranstaltung: Arbeitskammer-Forum “Mehr Studierende, gleiche Finanzierung, ungeklärte Zielvorgaben?”, veranstaltet zusammen mit dem Wissenschaftsforum und ausgerechnet der sog. “Zukunftsinitiative Saar”, einer Vereinigung ehemaliger Politiker von CDU und SPD, die mit einem Extremsparprogramm die öffentliche Debatte verunsichern. Wundert mich schon, dass die AK sich darauf eingelassen hat, denen ein Forum zu bieten, die radikale Einschnitte an den Hochschulen vorschlagen. Absolut unerträglich ist allerdings der Vertreter der “Wirtschaftsberater-Firma” pwc: Ein langweiliges und nichtssagendes “Impulsreferat” voller Plattitüden nach dem Motto: “Hochschulentwicklung muss alle Hochschulen in den Blick nehmen. Veränderungen kann man erfolgreich nur vornehmen, wenn man vorher miteinander spricht. Es ist zu raten, auch mal zu schauen, was andere Länder machen.” Falsches hat er ja nicht gesagt. Aber hat er überhaupt was gesagt? Ich fand’s unerträglich.
Zum Glück muss ich ohnehin weiter zu einem Termin, auf den ich mich schon den ganzen Tag freue:
“25 Jahre Gesamtschule Bellevue, Start der echten Ganztagsschule.” Das ist ein richtig schönes Ereignis, auf das ich seit vielen Jahren mit meinen bescheidenen Mitteln mit hingearbeitet habe. Als frischgebackener Vorsitzender des Arbeiter-Samariter-Bundes Saarbrücken hatte ich vor einem guten Jahrzehnt entschieden, dass wir endlich auch mal über die klassischen Bereiche des ASB (Sanitäts- und Rettungsdienst) hinaus gehen und Neuland betreten, indem wir an der Gesamtschule die dringend erforderliche Nachmittagsbetreuung aufbauen. Heftig gestritten hatten wir damals im ASB und waren uns doch einig: Eigentlich brauchen wir echte Ganztagsschulen, gerade an solch einem Standort im Einzugsbereich mehrerer sozialer Brennpunkte. Aber die CDU-Landesregierung hatte eine ideologische Blockade dagegen aufgebaut: “Zwangstagsschule” war der Kampfbegriff der Konservativen.
Heute wollen sie davon nix mehr wisssen. Wir haben uns dann einmütig damals entschieden: Besser wir machen mit hohem Anspruch ein unzureichendes Konzept mit und arbeiten konsequent darauf hin, am Ende doch eine echte Ganztagsschule durchzusetzen. Seit diesem Schuljahr ist es so weit. Ein Grund zur Freude. Auch wenn oder vielleicht: gerade weil der ASB jetzt Stück für Stück “von der Schule fliegt”, weil seine Aufgabe jetzt langsam überflüssig wird.
Es wurde dann nach dem tollen und bunten Programm der SchülerInnen noch spät an diesem Abend: Intensive Gespräche mit ganz vielen Lehrerinnen und Lehrern über die bildungspolitische Großaufgabe: Gemeinschaftsschule zum Erfolg bringen und nach dem Jamaika-Ende noch die dringend notwendigen Verbesserungen hinkriegen. Wir schaffen das!
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